Autismus-Ambulanz Region Rostock

1. Was ist Autismus?
2. Der frühkindliche Autismus
3. High Functioning Autismus
4. Asperger- Syndrom
5. Der atypische Autismus

Was ist Autismus?

Durch die engagierte Tätigkeit von Elternverbänden, Therapeuten, durch Selbstaussagen von Menschen mit Autismus und durch den Beitrag der Medien wie z.B. den Film "Rain Man" verbinden heute immer mehr Menschen eine konkrete Vorstellung mit dem Begriff "Autismus". Das Wort Autismus entstammt dem griechischen Wort "autos" und bedeutet "selbst". Eine Umschreibung als Selbstbezogenheit oder Ich-Zentrierung im Sinne einer Abkapselung von der Umwelt wird der gesamten Breite dieser Störung jedoch bei weitem nicht gerecht.
Ein einheitliches Bild, das alle Menschen mit Autismus gleichermaßen beschreibt, existiert nicht. Die autistische Störung zeigt sich bei den betroffenen Menschen durch eine Konzentration typischer Merkmale in den Bereichen zwischenmenschlicher Beziehungen, Kommunikation und Beziehungen zur Umwelt. Man spricht deshalb auch von einer Summationsdiagnose. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse favorisieren den Begriff "Autistisches Spektrum". Sie werden damit besser als herkömmliche Klassifikationssysteme der Bandbreite der autistischen Störung gerecht. Diese reicht von der Kombination mit geistiger Behinderung bis hin zum Auftreten des Autismus in Verbindung mit überdurchschnittlicher Intelligenz.

Es gibt jedoch Besonderheiten, die bei nahezu allen Menschen mit autistischer Behinderung gleichermaßen anzutreffen sind. Dazu gehören Auffälligkeiten der Sinneswahrnehmung, die sich häufig als eine Mischung aus Über- und Unterempfindlichkeit darstellen. Oftmals können aufgenommene Reize nicht verstanden und eingeordnet werden. Eine Art "Gesichtsblindheit" verhindert z.B. das Wiedererkennen bekannter Gesichter. Leichte körperliche Kontakte werden oft als verwirrend empfunden und vermieden. Intensive Berührungen bis hin zu Schmerzreizen wirken hingegen angenehm.

Vor allem in Überlastungssituationen haben Menschen mit Autismus Konzentrationsprobleme. Ihre Aufmerksamkeit ist ähnlich dem Lichtstrahl einer Taschenlampe sehr eng fokussiert. Sie können deshalb auch nicht mehrere Dinge zugleich tun und benötigen viel Zeit beim "Umschalten".

zurück

 


Der frühkindliche Autismus

Der frühkindliche Autismus wurde 1943 erstmalig von dem amerikanischen Psychiater Leo Kanner beschrieben. Dabei handelt es sich um eine komplexe und tiefgreifende Störung der kindlichen Entwicklung im Sinne einer schweren Mehrfachbehinderung, die sich überwiegend vor dem dritten Lebensjahr manifestiert. In der Regel existiert keine vorangehende Periode einer eindeutig unauffälligen Entwicklung.

Kinder mit frühkindlichem Autismus nehmen bereits in den ersten Lebensjahren kaum Anteil an ihren Bezugspersonen und erscheinen in ihre eigene Welt zurückgezogen. Später wirken sie im sozialen Kontext ausgesprochen ungeschickt und zeigen wenig Interesse für Interaktionen mit Gleichaltrigen. Sie sind nur sehr begrenzt in der Lage soziale und emotionale Signale zu interpretieren, reagieren häufig unangemessen auf Gefühle anderer Kinder und verhalten sich bisweilen takt- und distanzlos. Auch die richtige Einschätzung von Gefahrensituationen bereitet Probleme. So können autistische Kinder z.B. die Gefahr eines nahenden Fahrzeuges häufig nicht erkennen. Ebenso problematisch ist mitunter das Beurteilen von Höhenunterschieden beim Herabspringen.

Frühkindlicher Autismus bedeutet zumeist auch eine starke Beeinträchtigung der Kommunikationsfähigkeit. Einige Kinder erlernen das Sprechen niemals. Sofern Sprache vorhanden ist, wirkt sie oft "eigenartig" und wird nicht zur Steuerung sozialer Beziehungen eingesetzt.

Auffallend sind auch eingeschränkte und "seltsame" Interessen. Viele alltägliche Handlungen laufen nach einem starren Muster ab und folgen immer wiederkehrenden Ritualen. Auf Abweichungen reagieren die Betroffenen zumeist unerwartet heftig. Sie werden aggressiv oder ziehen sich zurück. Häufig neigen sie auch zu bizarren Bewegungsabläufen. Bekannte Beispiele sind das Händeflattern, das Verdrehen der Gelenke und das Wippen mit dem Oberkörper. Oft kommt die zwanghafte Fixierung auf bestimmte Objekte hinzu.

zurück

 


High-Functioning-Autismus

Innerhalb des frühkindlichen Autismus gibt es eine Gruppe Betroffener, die sich durch ein relativ hohes Niveau geistiger Fähigkeiten auszeichnet. Die High-Functioning-Autisten erfüllen überwiegend die Kriterien des frühkindlichen Autismus. Besonderheiten ihrer Entwicklung setzen zumeist in den ersten drei Lebensjahren ein. Die verzögerte Sprachentwicklung wird oftmals durch die gute intellektuelle Ausstattung kompensiert. Eigenarten der Sprache bleiben jedoch erhalten. Folgen der sozialen Kontaktstörung können gemindert werden. Im Vergleich zum Asperger-Syndrom verfügen Menschen mit High-Functioning-Autismus über weitgehend unbeeinträchtigte motorische Fähigkeiten.

zurück

 


Das Asperger-Syndrom

Der österreichische Arzt Hans Asperger beschrieb 1943 unabhängig von Leo Kanner ein dem frühkindlichen Autismus ganz ähnliches Störungsbild. Der grundlegende Unterschied besteht zumeist im Fehlen einer allgemeinen Entwicklungsverzögerung der Sprache oder der geistigen Fähigkeiten. Kinder mit Asperger-Syndrom beginnen überwiegend relativ früh zu sprechen. Sie eignen sich einen großen Wortschatz an, sprechen dabei aber oft auffallend "altklug" und "hochtrabend". Eine normale, partnerbezogene Kommunikation ist in den meisten Fällen jedoch nicht möglich. Zu belanglosem "Smalltalk" sind sie oft nicht in der Lage. Wie bei Kindern mit frühkindlichem Autismus ist auch die nonverbale Kommunikation beeinträchtigt. Sprache wird kaum durch Mimik und Gestik begleitet. In der Schule haben die betroffenen Kinder bessere schriftliche als mündliche Leistungen.
Menschen mit Asperger-Syndrom verfügen in den allermeisten Fällen über normale oder sogar überdurchschnittliche Intelligenz. Sie können ein eigenständiges Leben führen. Viele sind berufsfähig oder haben studiert. Das individuelle Leistungsspektrum eines Betroffenen schwankt jedoch oftmals zwischen einerseits nahezu genialen und andererseits unterdurchschnittlichen Fähigkeiten.

Charakteristisch sind ungewöhnliche Spezialinteressen wie das stundenlange faszinierte Beschäftigen mit Zahlenreihen und Statistiken. Menschen mit Asperger-Syndrom verfügen oft über erstaunliche Begabungen auf eng umgrenzten Gebieten. So sind unter ihnen z.B. ausgezeichnete Musiker und geniale Wissenschaftler anzutreffen.
Es fällt auch Menschen mit Asperger-Syndrom schwer, auf ihre Bezugspersonen einzugehen. Sie können deren Wünsche, Bedürfnisse und Gedanken nur sehr schwer erfassen. Immer wieder ecken sie durch auf Missverständnissen beruhende Verhaltensweisen an. Das erschwert es ihnen, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrechtzuerhalten.

Trotz oftmals überdurchschnittlicher Intelligenz fällt es Menschen mit Asperger-Autismus schwer, "zwischen den Zeilen" zu lesen. Sie nehmen Fragen und Aufforderungen wörtlich und verstehen weder Ironie noch Sarkasmus.

zurück

 

Der atypische Autismus

Der atypische Autismus unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus durch das Einsetzen der Symptomatik zumeist erst nach dem dritten Lebensjahr oder dadurch, dass die spezifischen Besonderheiten nicht zwingend in den drei Hauptbereichen soziale Interaktion, Kommunikation und Verhalten/Interessen auftreten.

Kinder mit atypischem Autismus sind oft schwerst intelligenzgemindert und können ihre geringen geistigen Fähigkeiten kaum zielgerichtet einsetzen.

zurück