Autismus-Ambulanz Region Rostock

Ursachen

Über die wirklichen Ursachen von Autismus besteht nach wie vor Unklarheit. Es gilt jedoch heute als erwiesen, dass in vielen Fällen hirnorganische Veränderungen zu der Entwicklungsstörung führen.

Früher ging man eher von einer psychosozialen Verursachung des Autismus aus. Das lange Zeit vertretene psychogenetische Konzept machte gefühlskalte Mütter für die autistische Störung ihrer Kinder verantwortlich. Diese Annahme gilt heute als überholt. Vielmehr scheint es so zu sein, dass die ungewöhnlichen und auffälligen Eltern-Kind-Beziehungen eine Folge der beeinträchtigten Kommunikation der Kinder und nicht deren Ursache sind.

Neurologische und neuroanatomische Forschungsergebnisse fanden mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Kernspintomographie strukturelle Veränderungen in Hirngebieten wie Kleinhirn, Amygdala und Hippocampus. Ihre Bedeutung bei der Entstehung der autistischen Störung ist jedoch noch nicht bewiesen.

Genetische Faktoren scheinen eine wesentliche Rolle beim Zustandekommen der Störung zu spielen. Geschwister von Kindern mit Autismus sind 50mal häufiger selbst betroffen als andere Kinder. Auch in Zwillingsstudien fand man bei eineiigen Zwillingen z.T. Übereinstimmungsraten von 90%. Ein deutlicher Unterschied im Risiko zwischen ein- und zweieiigen Zwillingen weist auf das Zusammenwirken mehrerer Gene hin.

In den letzten Jahren galt das Interesse auch der Bedeutung von Stoffwechselauffälligkeiten. Deren konkrete Funktion bei der Entwicklung des Autismus ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Gefundene Veränderungen des Neurotransmitterhaushalts erwiesen sich nicht als autismusspezifisch.

Die "Theory of mind " von Frith als Beispiel für die Annahme innerpsychischer Ursachen geht davon aus, dass es Menschen mit Autismus nicht gelingt, die Wirklichkeit geistig zu erfassen. Das führt zu einer Fehlentwicklung, aufgrund derer sie nicht in der Lage sind, eine Vorstellung von Bewusstseins- und Gefühlszuständen anderer Menschen zu bekommen. Schwierigkeiten im sozialen Miteinander sind dadurch vorprogrammiert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass hinter der autistischen Störung ein komplexes Ursachengefüge steht, das es weiterhin aufzuschlüsseln gilt.